Kunst im Kreis – nicht auf Kosten der Sicherheit

Kreisverkehre gelten sowohl innerorts als auch außerorts als überaus sichere Verkehrsanlagen. Ein Grund dafür: Die Fahrgeschwindigkeit der Kraftfahrzeuge wird in einem Kreisverkehr durch die Ablenkung von der Geradeausfahrt deutlich abgemindert.

Die Kreisbahn bedingt aber auch eine Kreisinsel. Und die will – wie man in vielen Ortschaften sieht – unbedingt künstlerisch verschönert werden. Da werden Bäume gepflanzt, Findlinge aufgestellt oder Kunstwerke installiert. Wobei der Kunstbegriff schon sehr weit gefasst werden muss, um all die Denkmäler und Installationen, die oft auf ortstypische Industrie oder Handwerk hinweisen, zu „würdigen“. Manches Trum an „Kunstwerk“ ist dabei, aus Stahl, Beton oder Granit.

Tödlicher Unfall im Kreisverkehr

Da es in Baden-Württemberg einen tödlichen Verkehrsunfall an einem Kreisel-Denkmal gab, wurden auf Geheiß des dortigen Verkehrsministers Winfried Hermann (Grüne) „Kunstwerke“ auf ihre Sicherheit hin untersucht, 54 wurden als „gefährlich“ identifiziert. Mit zum Teil grotesken „Bürgeraktionen“ wird nun der Schutz der Kreiselkunst organisiert. Sogar die Tagesthemen (http://www.tagesschau.de/schlusslicht/kreiselverkehr100.html) haben sich des Themas angenommen – ohne dabei die Sicherheitsfragen wirklich ernst zu nehmen.

Eigentlich ist die Sache doch klar. Im Merkblatt für die Anlage von Kreisverkehren steht u.a.: „Auf der Kreisinsel dürfen aus Gründen der Verkehrssicherheit gegenüber den Zufahrten keine starren Hindernisse angeordnet werden… Dies gilt insbesondere für Bäume, Mauern,…oder Kunstobjekte“. Nun ist das Merkblatt der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV) kein Gesetz, aber immerhin doch gängige Leitlinie für die Straßenplanung.

Außerorts keine Hindernisse im Kreis

Und es gibt auch Untersuchungen zu dem Thema. Ihr Fazit: Außerorts sollten „Kunstwerke“ und andere starren Hindernisse tabu sein – zu gefährlich. Ein sanfter Erdhügel (maximal ein Meter hoch) reicht, um das „Durchschauen“ eines Kreisverkehrs zu verhindern.

Innerorts sind Bereiche der Kreisinsel denkbar, an denen feste Hindernisse höchstwahrscheinlich unschädlich sind. Doch auch sie sollten nicht genau im Zentrum des Kreisels stehen und den Autofahrer zu stark vom Straßenverkehr ablenken.

Meine Meinung: Verkehrssicherheit geht vor und für die Kunstwerke werden sich doch sicherlich andere Plätze finden.

Kommentare

Die Gestaltung von Mittelinseln mit "Kreiselkunst" ist eben Kunst und objektiv kaum zu beurteilen. Die Gestaltung mit Bäumen, Sträuchern usw. ist eine andere Sache. Sie macht den Kreisverkehr erst richtig sicher, vor allem wenn die Insel erhöht ist. Der Rest der Straßen ist ja mit weit gefährlicheren Hindernissen gespickt. Die Unfallforschung führt Crash-Tests durch, fast immer mit einem Aufprall exakt im rechten Winkel, was in der Realität eher selten vorkommt. Dass solche Crash-Tests tatsächliche Unfälle mit unterschiedlichen Aufprallwinkeln nachstellen ist mir bis jetzt nicht bekannt, wäre jedoch für eine realistische Unfallforschung notwendig.

Es liegt uns fern Kunst zu beurteilen. Allerdings fragt sich, warum sie im Kreisel stehen muss. Was die Sicherheitsthemen betrifft, stimmt in diesem Kommentar nichts. Unsere Crashtests sind auch nicht im rechten Winkel, sondern sie bilden die vorher anhand umfangreicher Datenanalyse ermitteten Hauptunfallkonstellationen ab.

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