Radfahren im Schnee?

Ich muss vorwegschicken, dass ich meist mit dem Auto fahre. In der Freizeit oft, zur Arbeit immer. Mit dem Rad fahre ich nur, wenn das Wetter angenehm ist und dann nur aus touristischen Gründen oder zu Trainingszwecken. Meine Gefühle für Winterradler schwanken daher zwischen Bewunderung und Bedauern. Aber dann denke ich: Muss ja jeder selbst wissen.

Radwege nicht geräumt - was tun?

Was anderes ist es aber, wenn, wie soeben geschehen, viel Schnee gefallen ist und daher die Straßen nicht ordentlich geräumt sind. Radwege sind sogar in der Regel gar nicht geräumt, was das Problem verschärft. Jetzt nämlich müssen auch Radfahrer in den vom Autoverkehr gebildeten Fahrspuren unterwegs sein und da die Wälle nach rechts und links einigermaßen unüberwindlich sind, können sie auch nicht, wie von der StVO vorgeschrieben, äußerst rechts fahren und stellen zunächst einmal für Autos ein Verkehrshindernis dar. „So what“ denkt hier der hartgesottene Radfahrer: Ich habe das gleiche Recht, die Fahrbahn zu benutzen, wie Autos auch und muss mit den Gegebenheiten umgehen, wie sie sind. Völlig korrekt, sage ich da: Kann man nicht anders sehen.

Straßen zu glatt für Radler

Trotzdem frage ich mich, ob das wirklich sein muss und denke dabei vor allem an die Unfallgefahren für den Radfahrer selber: Erstens ist die Fahrspur einigermaßen glatt, vor Kreuzungen sogar sehr glatt. Zweitens wird man die Fahrspur-Wulst zum Spur- und Richtungswechsel eben doch kreuzen müssen. Das ist eher was für geübte Mountainbiker, was aber, wenn ich so manche beobachtete Wackelei bedenke, beileibe nicht jeder Winterradler zu sein scheint. Und drittens können Autofahrer offenbar nicht verstehen, dass das Gleichgewicht auf einspurigen Fahrzeugen schlechter ist als bei zweispurigen. Sie fahren daher so dicht auf oder überholen so knapp, dass ein in diesem Moment stürzender Radfahrer ein ernstes Problem hätte.

Lieber Alternativen nutzen

Meine Meinung also: Es gibt eigentlich fast immer Alternativen. Deshalb nach viel Neuschnee und bei noch nicht ordentlich geräumten Fahrbahnen das Rad nicht benutzen.

Kommentare

Im Blogbeitrag heißt es: "Jetzt nämlich müssen auch Radfahrer in den vom Autoverkehr gebildeten Fahrspuren unterwegs sein und da die Wälle nach rechts und links einigermaßen unüberwindlich sind, können sie auch nicht, wie von der StVO vorgeschrieben, äußerst rechts fahren und stellen zunächst einmal für Autos ein Verkehrshindernis dar." In diesem Satz sind leider gleich mehrere Irrtümer genannt: Zum einen sind langsam fahrende Verkehrsteilnehmer kein Verkehrshindernis und zum anderen gilt für Radfahrer das gleiche Rechtsfahrgebot wie für Autos. Wenn also ein Radfahrer in der Spur des rechten Autoreifens fährt, fährt er genau so weit rechts wie ein Autofahrer. Man kann ihm also - selbst wenn kein Schnee liegt - aus dieser Position keinen Vorwurf machen, es sei denn Sie wollen sagen, dass auch alle Autofahrer gegen das Rechtsfahrgebot verstoßen. Ich finde es daher sehr bedenklich, dass hier diese Vorwürfe geäußert werden, die nur dazu führen, dass Radfahrer zu weit rechts auf der Fahrbahn fahren und sich dadurch massiv gefährden, weil sie dann bei Gegenverkehr verstärkt zu eng überholt werden und weil sie dann zu dicht an Autotüren vorbeifahren. Wem die Sicherheit von Radfahrern am Herz liegt, sollte für die korrekte Auslegung des Rechtsfahrgebots werben: - Immer 75 bis 80cm Abstand zum Gehweg oder Bordstein - Eine Türbreit Abstand zu parkenden Fahrzeugen Mehr dazu übrigens hier: http://www.adfc.de/files/2/110/112/FW_Seitenabstand_20110722.pdf

Gegen die Glätte helfen wunderbar Spike-Reifen. Ich fahre im Alltag Fahrrad, weil ich mir kein eigenes Auto mehr leiste. Ich bin gesünder, glücklicher, habe mehr Kaufkraft und nehme dazu auch noch ab. Nun kommt der vierte Winter, in dem uich Winterreifen aufziehen werde. Vorne kommt wieder der Schwalbe Marathon Winter drauf, das Hinterrrad wird mit dem grobstolligen Continental Nordic Spike 120 versehen. Bei Glätte lasse ich ein wenig Luft ab, um die Auflagefläche zu vergrößern. Am Hintterrad greifen dann auch die 120 Spikes am Rand des Reifens. Bei Blitzeis bin ich sogar viel sicherer als Autos unterwegs. Nur bei Kopfsteinpflaster, sehr tiefem Schnee oder aufgehäuftem, sehr pulvrigem Schnee helfen auch die Spikereifen nicht. Dank der Ausstattung kann ich wunderbar im übrigen Verkehr mitschwimmen. Die Fahrbahnen sind in Deutschland zuerst geräumt. Der Radweg dient häufig als Schneehalde. In Kopenhagen werden zuerst die Radwege geräumt, um das automobile Verkehrschaos zu verhindern.

Auch ich fahre seit Jahren mit Spikes durch den Winter und es ist immer wieder interessant, beim Anfahren an einer vereisten Ampelkreuzung die Autos "vor sich her zu schieben", weil die nicht in die Socken kommen. Mit Spikes bleibt das Rad auf Eis und (nicht zu hohem) Schnee bei natürlich angepaßter Fahrweise immer beherrschbar: Bremsen, Kurvenfahren und Beschleunigen bereiten keinerlei Probleme. Und da Fahrbahnen immer schnell geräumt werden; klappt das gut.

Wer übrigens sein Fahrrad schiebt, ist ein Fußgänger und fällt unter den § 25 StVO. Da dieser Fußgänger sein Fahrzeug mitführt und andere Fußgänger auf den meist schmal geräumten Gehwegen behindern würde, muß das Fahrrad in den meisten Fällen auf der Fahrbahn geschoben werden (§ 25 II StVO).

Was eine erhebliche Behinderung nach § 25 II StVO ist, dürfte Auslegungssache sein. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es tatsächlich in einer solchen Situation Diskussionen mit Polizei oder Passanten gibt. Deshalb halte ich Schieben auf dem Gehweg in aller Regel für in Ordnung.

So einen Artikel kann man nur aus Autofahrersicht verbrocken. Kein Niederländer oder Nordeuropoäer würde ernsthaft auf die Idee kommen, sein Rad nicht zu nutzen bloß weil mal nicht die Sonne scheint. Besonders interessant ist, dass in diesen Ländern auch Autofahrer Radfahrer als gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer (§2 StVO) akzeptieren und man bei ungünstiger Witterung noch eher bereit ist, rücksichtsvoll (§1 StVO) und mit angepasster Geschwindigkeit zu fahren und ggf. auch mal auf die Vorfahrt zu verzichten. Die Wahl des Fahrzeugs hängt somit nachweislich nicht vom Wetter sondern von der Akzeptanz und Rücksichtnahme aller Verkehrsteilnehmer ab. Die bereits abgegebenen Kommentare belegen aber die Autofixiertheit des Autors. Somit ist ein neutraler, sachlicher Artikel wohl nicht zu erwarten. Schade. Wie das ablaufen könnte sieht man z.B. hier: https://www.youtube.com/watch?v=4gpMHnTT0Wg

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