Treten Bäume auf die Straße?

Regelmäßig, wenn ich die hohe Zahl der durch Anprall an einen Straßenbaum Getötete öffentlich beklage, wird mir entgegengehalten, dass der Baum ja nicht auf die Straße tritt, also unschuldig ist. Der Fahrer habe ja einen Fehler gemacht und ist also selbst Schuld. Dieser fast zwanghafte Diskussionsverlauf hat sich also auch wiederholt, als das Statistische Bundesamt jüngst als „Zahl der Woche“ veröffentlichte: 20 % der tödlichen Verkehrsunfälle durch Aufprall auf einen Baum. Was sie nicht gesagt haben, aber von mir ergänzt wurde: Das wird noch schlimmer, wenn ich nur die Landstraße betrachte. Dort stirbt nämlich jedes dritte Unfallopfer an einem Baum.

Nun habe ich ja nie behauptet, dass Bäume laufen können. Ich kann auch bestätigen, dass die meisten dieser Unfälle auf Fahrfehler mit Verlust der Kontrolle über das Fahrzeug zurückzuführen sind. Nur ist diese Debatte müßig. Es werden immer wieder Fehler gemacht werden, leider oft von jungen Fahrern, die sich selbst überschätzen. Das Problem besteht darin, dass der Baum ab einem gewissen Umfang keine Energie aufnimmt und Fehler dann sofort dramatische Folgen haben.

Dabei ist Schutz zumindest in Alleen kein Hexenwerk. Bevorzugte und erfolgreiche Maßnahmen: Schutzplanken und Geschwindigkeitsbegrenzungen mit Kontrolle. Aus unerfindlichen Gründen werden aber gern auch Einzelbäume getroffen, obwohl es leichter gewesen wäre, daran vorbeizufahren. Wenn man solche Fallen im Einzelfall entfernt, wird es die Natur sicher überleben.

Kein Verständnis habe ich für die Neupflanzung von Bäumen an Straßen und damit der Todesfallen von morgen. Ich verstehe auch nicht, warum gerade Naturschutzverbände das immer wieder fordern, wo das doch lediglich zur Erbauung der Autofahrer beiträgt. Was spricht gegen unsere Idee, Bäume lieber an über freies Feld geführten touristischen Radrouten zu pflanzen? Dort könnten Sie dann auch ihren ursprünglichen Zweck erfüllen: Den Radfahrer und Wanderer vor zu viel Sonne und Regen schützen.

Ihre Meinung: Brauchen wir Maßnahmen gegen Baumunfälle ?

Kommentare

Wir haben gerade in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern nicht viele Einnahmequellen außer dem Tourismus. Die schönen Alleen, die es in dieser Menge nur noch in den beiden Ländern gibt, tragen erheblich dazu bei, dass Touristen kommen. Wenn man nicht nachpflanzt, werden die Alleen in absehbarer Zeit Geschichte sein. Dabei ist das nur ein Argument von vielen. Es gibt viel mehr Unfälle mit anderen Autos - wollen Sie die auch verbieten? Die Unfallquelle ist nicht der Baum, sondern der unachtsame Autofahrer. Da muss man ansetzen statt das Land in Wüste zu verwandeln - und sich dann über die Staubstürme zu wundern.

Ich bin mir nicht sicher, ob Sie meinen Beitrag gelesen haben, jedenfalls setzen Sie sich nicht damit auseinander. Ich sage ja auch nicht, dass der Baum Schuld ist. Fast alle Unfälle resultieren aus individuellen Fehlern. Hier geht es darum, die Folgen dieser Fehler zu mindern. Übrigens ein Missverständnis: Ich meine nicht das Nachpflanzen von Bäumen, obwohl ich das auch unsinnig finde, schon allein aus ästhetischen Gründen. Ich meine die Neupflanzung von Baumreihen, wo bisher gar keine waren. Was den Tourismus betrifft: Ich bin sicher, dass Radfahrer mehr Geld in einer Region lassen als durchfahrende Autofahrer. Oder glauben Sie ernsthaft, dass die Alleen der ausschlaggebende Faktor sind, um als Autofahrer in einer entsprechenden Region seinen Urlaub zu verbringen? Was spricht also gegen die Idee der Radalleen?

Für REIN touristische Radrouten spricht nichts dagegen. Da allderdings die Verkehrsplaner häufig touristische Routen als benutzbar für den Alltagsverkehr ansehen und solche Wege leider auch ins "Radverkehrsnetz" und in die "Radverkehrswegweisung" aufnehmen entsteht m.E. ein Problem. Die RVA erhalten zwischen 20 cm (Bürgerradweg)und 32 cm Oberbau, was keinesfalls ausreicht um vor üblen Baumwurzel-Aufbrüchen zu schützen. Auch an Alleen-Landstrassen mit begleitender RVA entsteht so ein hohes Potential für Rad-Alleinunfälle oder für Unfälle im Begegnungsverkehr bei schlechter RVA-Oberfläche. Radalleen funktionieren nur bei RVA mit solidem - teurem - Oberbau ähnlich wie auf Autofahrbahnen (gibt es leider in D nicht) oder auf Strecken die jetzt und künftig keinerlei Rolle für den Alltagsradverkehr spielen. Ausserdem muss man bedenken welche Bäume man anpflanzt. Gerade im Dunkeln können Obst, Tannenzapfen, Kastanien und dergleichen zur Falle für den Geradeauslauf der Vorderräder von Pedelec-Senioren werden (ohne Autos wird halt nichts plattgefahren). Besonders ärgerlich wird das wenn Ortsumgehungen mal wieder für den Radverkehr gesperrt worden sind und die mühsam gesuchte/erfragte Ausweichstrecke nicht nur umwegig ist, sondern auch noch so eine holprige Alleen-RVA ist mit allerlei Heruntergefallenem.

Baumunfälle - Einzelbäume Sie schreiben: "aus unerfindlichen Gründen werden aber gern auch Einzelbäume getroffen, obwohl es leichter gewesen wäre, daran vorbeizufahren." Genau dies zeigt die meines Erachtens wichtige Unfallursache auf, die in den Diskussionen und Unfallanalysen leider nicht berücksichtigt wird. Man fährt nämlich immer genau dorthin, wohin man schaut. Und da man NICHT gegen den Baum (ob einzeln oder als Allee ist dabei unerheblich) fahren möchte, schaut man genau dorthin - mit dem Ergebnis, dass man auch genau gegen diesen Baum fährt. Schuld daran ist unser Unterbewusstsein. Hier finde ich, muss unbedingt angesetzt werden. Die Fahrer müssen trainieren, an den Bäumen VORBEI zu schauen, um dann auch an ihnen vorbei zu lenken. Ich bin sicher, wenn Autofahrer dieses Verhalten trainieren, wird die Zahl der Baumunfälle drastisch sinken. Hier sehe ich einen Ansatz für Fahrschulen, Sicherheitstrainings und vielleicht schon für Schulen??

Baumallee an Radwegen Wie meistens: gut gemeint ist nicht gut gemacht. Bevor Sie Ihre Idee der vor Sonne schützenden Alleen an Radwegen weiter propagieren, fahren Sie doch mal bitte auf solchen Wegen. Am besten auf solchen, die in den 80-er Jahren angelegt und somit inzwischen im guten Baumalter von über 30 Jahren stehen. Vorzugsweise dann auch noch mit robusten, also stadtklimatauglichen Robinien bepflanzte Strecken. Sie werden sich angesichts der kräftigen Wurzeln in der Fahrbahn und den kleinen spitzen Dornen schnell auf einen schattenlosen Agrarfeldweg wünschen. Warum so vehement gegen die Neupflanzung von Straßenbäumen? Mit dem "Totfahrargument" der Sicherheit sollten Sie doch gleich Sicherheitszonen mit Kiesbett in entsprechender Breite fordern. Das ist nicht ironisch gemeint, an Gefällstrecken hat man das für LKW mit Bremsdefekten ja auch. Und die Forderung nach Leitplanken ist für die Sicherheit von Motorradfahrern auch nicht gerade stand of the art.

Gerade in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, aber auch in vielen anderen ländlichen Regionen findet der Radverkehr auf Landstraßen statt. Das wird sich aufgrund der geringen Bevölkerungsdichte auch nicht ändern, denn auf den meisten Straßen ist so wenig KFZ-Verkehr, dass Radwege weder nötig noch volkswirtschaftlich sinnvoll sind. Die Idee, Bäume nur noch an selbstständig trassierten Radwegen zu pflanzen, bedeutet also nur, dass es in den ländlichen Regionen gar keine Baumalleen mehr gibt, weil es in diesen Regionen so gut wie keine Radwege gibt. Abgesehen davon finde ich es auch nicht prickelnd, wenn der Alltagsradverkehr dann im prallen Sonnenschein die ereignisarme, weil baumarme Landstraße befahren soll. Es wäre schön, wenn auch die UDV/GDV erkennen würde, dass man unsere Kulturlandschaft nicht autogerecht gestalten sollte, sondern dass man den Autoverkehr so gestalten muss, dass er sich halbwegs in unsere Kulturlandschaft einfügt. In den Städten haben wir die autogerechte Umgestaltung zumindest schon etwas stopppen können. Im ländlichen Raum muss diese Entwicklung aber genau so gestoppt werden und das heißt dann: Geschwindigkeit in Alleen so weit runter, dass die Autofahrer eben nicht mehr sterben, wenn sie einen Fehler machen. Dann braucht es auch keine Leitplanken, die in der Regel dazu führen, dass sich Radfahrer gar nicht mehr in die Bob-Bahn-Landstraße trauen und der KFZ-Gegenverkehr freut sich auch, denn der ist es in der Regel, der in einen Unfall verwickelt wird, wenn der Unfallverursacher nicht am Baum hängen bleibt, sondern in den Gegenverkehr katapultiert wird.

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