Wann kommt der Abbiegeassistent für Lkw?

 

Im Jahr 2012 wurden in Deutschland bei Unfällen zwischen Lkw und Radfahrern 71 Menschen getötet und 723 schwer verletzt. Meist geschah der Unfall beim Abbiegen und fast immer lag die Schuld beim Lkw-Fahrer. Dabei können einem die Fahrer leidtun. Wer jemals in einem Lkw-Cockpit gesessen hat, weiß, dass es beinahe unmöglich ist, in einer dynamischen Situation (Fußgänger und Radfahrer bewegen sich aus verschiedenen Richtungen und der Lkw muss ja auch irgendwann vorwärts rollen) die Gesamtlage zutreffend zu überblicken. Das hat der Gesetzgeber zumindest im Grundsatz auch erkannt und eine Reihe von Spiegeln vorgeschrieben (Richtlinien 2003/97/EG bzw. 2007/38/EG).

Da sind aber offenbar weder Lkw-Fahrer noch Psychologen am Werk gewesen. Der Fahrer muss nämlich nicht nur zur rechten Zeit in den richtigen Spiegel blicken, er muss auch multitaskingfähig sein und in einer Art „Split-Screen-Blick“ verschiedene Bewegungsabläufe zu einem richtigen Ganzen zusammensetzen. Wobei Weitwinkelspiegel Objekte auch noch stark verkleinert und verzerrt widergeben.

Im Ergebnis sind auch umsichtige Lkw-Fahrer immer in der Gefahr, wegen fahrlässiger Körperverletzung oder gar Tötung bestraft zu werden, weil es den idealen Fahrer nach juristischer Lesart in dieser komplexen Situation gar nicht gibt. Deutliche Verbesserung könnte aber ein elektronischer Abbiegeassistent schaffen, der mittels Sensoren Fußgänger und Radfahrer erfasst, die sich unmittelbar vor oder neben dem Fahrzeug befinden. Im Ernstfall würde der Fahrer gewarnt und idealerweise würde bei Nichtreaktion der Lkw automatisch gebremst.

Solche Systeme könnten nach Berechnungen auf Grundlage unserer Unfalldatenbank fast die Hälfte dieser Abbiegeunfälle mit Fußgängern und Radfahrern vermeiden! Aber wo bleibt der Fortschritt, nachdem schon vor einigen Jahren MAN einen Preis des ADAC für eine solche Entwicklung bekommen hat und dann nie damit in Serie gegangen ist? Ich weiß, dass es geht, aber offenbar braucht es wieder einmal eine deutliche Aufforderung aus Brüssel. 

Kommentare

Das ist fürwahr ein wichtiges Thema und eine Herausforderung für die Fahrzeug- und einschlägigen Systemhersteller. Auf der letzten IAA für Nutzfahrzeuge hat sich immerhin diesbezüglich etwas getan. So haben Hersteller wie DAF Trucks "Fish-Eye"-Systeme für den Toten Winkel gezeigt und/oder andere Ansätze angekündigt. M.f.G. E. Petersen

Vor zwei Jahrzehnten forderten Fahrradfahrende an Lichtzeichenanlagen rechts an wartenden Kraftfahrzeugen vorbeifahren (überholen) zu dürfen, es wurden vom Gesetzgeber freigegeben. Jetzt verlangen wir aufgrund vieler schwerer Verkehrsunfälle zusätzliche elektronische Assistenzsysteme. Verkehrte Welt! Jeder am Straßenverkehr teilnehmende muss äusserst aufmerksam sein und sich nicht auf "Helferlein" verlassen!

Die meisten dieser Unfälle ereignen sich nicht aus der stehenden Situation heraus, sondern wenn beide Fahrzeuge sich in Fahrt befinden. Bei der Aufmerksamkeit stimme ich Ihnen  zu, Helferlein sollen ja auch vor allem dort zum Einsatz kommen, wo der Faktor Mensch Schwächen zeigt. Das Eine hindert nicht das Andere.

Das Problem sind die Sonderwege für Radfahrer (z.B. Radweg), auf denen sie als Geradeausfahrer an den Rechtsabbiegern vorbeifahren sollen, von denen sie erst durch das Blinken nach dem letzten Moment deren Abbiegewunsch erfahren. Das Vorbeifahren, was Sie meinen, ist hingegen bei LKW grundsätzlich nicht möglich, schon mangels Platz.

Warum fahren Radfahrer überhaupt im toten Winkel eines abbiegenden KFZ (auch PKW!) geradeaus? Sie werden auf dort verlaufende "Radwege" gezwungen und befinden sich erst dadurch sehr oft außerhalb des Sichtbereiches der Fahrer. Führen sie normal auf der Fahrbahn, befänden sie sich im Sichtfeld der Fahrer und würden nicht so leicht übersehen. Ich fahre viel mit dem Rad und das zu 99% auf der Fahrbahn. Alle (wirklich alle!) gefährlichen Situationen geschahen auf dem 1%-Rest, wo sich Radwege leider nicht vermeiden ließen. In allen Fällen übrigens "nur" mit PKW-Beteiligung; dank langjähriger Erfahrung ist nichts passiert. Wäre der Ansatz (Radfahrer auf die Fahrbahn) nicht wesentlich wirkungsvoller?

Zunächst einmal, ist bei Kreuzungen mit höherem Vertkehrsaufkommen LKW, als Beispiel USA sogar eine Ampelsteuerung in San Fransisco realisiert. In Deutschland sollte man überall dort wo das aufkommen mehr als 15% LKW Fahrbetrieb ist ebenfalls gedanklich mal durchspielen. Der LKW ist nun mal ein Fahrzeug, der nicht diesselber rund Umsicht besitzt als ein PKW. Das kann ich aus eigener Erfahrung berichten. Als Radfahrer in Berlin, werde ich immer honter einem LKW stehenbleiben, denn nur so weiss ich ob er abbiegen will. Was aber viel wichtiger wäre ! Eine LKW Unfalluntersuchungsstelle wäre die richtige Lösung. Denn man muss endlich 2 wesentliche Dinge immer klären. 1. Unfallursache Hier meine ich die rein technischen Gründe, mit der Fragestellung wäre durch technische Lösungen dieser vermeidbar gewesen. 2. Schuldfragen im Sinne Geschädigter, und Führer des LKW Es geht hier nicht um Schuld am Unfall selbst, sondern um die Frage wenn jemand mit Alkohol (Fußgänger) Verkehrsregeln mißachtet. 3. Vorschlaghswesen an die Hersteller, aufgrund der Untersuchungsergebnisse Vorschläge unterbreiten, sowie eine Weisungsbefugnis bei tehnischen Problemerkennungen ein Fahrverbot zu erteilen. Begründung: Wenn ein Luftverkehrsunfall technische Schuld als Verursacher festgestellt wird, dann erteilt man diesem Flugzeugtyp ein Flugverbot. Das gleiche gilt auch bei Unfällen der Eisenbahn, wenn die Technik eines Triebfahrzeuges den Unfall begünstigt hat, bzw diese dazu geführt hat. Also 30 Millionen PKW zugelassen, Typengenehmigt, Das bedeutet ca. jährlich 700 Millionen Verkehrsbewegung von deutschen Fahrzeugen, ohne das Ausland. Ich gehe davon aus, das hier 100 % der Fahrzeuge mindestens 1 mal in Ihrem Autoleben in eine Gefährdungssituation steuern. 25 % Dieser Verkehrssituation führen zu einem Unfall. Unabhängig davon ist die Schwere des Unfalles. Bei unserem Schwerlastverkehr haben wir eine ähnliche Bilanz. Nur das dort bei den 25 % der Unfallsituationen die Verletzungsgefahr bei 70 % liegt. Die schwerwiegenden Verletzungen dürften auf ca. 7,0 % kommen. Die anderen Unfallsituationen führen meist zu Blechschäden. Daher ist mein Vorschlag, eine Bundesuntersuchungsstelle für Verkehrsunfälle beim Schwertlastverkehr einzurichten ein muss. Denn nur wenn man real weiss was die Ursache war, kan man richtig reagieren.

Guten Tag, ich habe gelesen, dass Londen LKW Fahrende verpflichtet, seitliche Schutzklappen an LKW zu montieren. Was halten Sie von dieser Lösung? Und haben Sie einen Überblick über Maßnahmen, welche einezlne Kommunen in Europa zum Schutz von Radfahrenden gegen sog. tote Winkel Unfälle unternommen hat? Eine "deutliche Aufforderun aus Brüssel" wäre sicherllich wertvoll. Aber bis diese kommt, können vielleicht Kommunen mit gutem Beispiel voran gehen!

Ich bin mit 76 Jahren seit 12 Jahren in Rente, und beobachte als noch aktiver Verkehrsteilnehmer den zunehmenden Straßenverkehr von der Dichte und der zunehmenden Hektik und Rücksichtslosigkeit. Es sind dabei nicht nur die gestreßten LKW-Fahrer mit ihren immer größeren Fahrzeugen, sondern auch die vielen rücksichtslosen PKW´s mit ihren leistungsstarken modernen Fahrzeugen, die den Verkehr belasten. Auch die vorgegebenen Geschwindigkeiten werden heute von allen Verkehrsteilnehmern deutlich überschritten! Das kann nur böse enden und es nützen dann auch teure neue Assistenssysteme leider wenig, es schaukelt den Fahrern nur trügerische Sicherheit vor.

Der obige Bericht des UDV ist von 2013, erschreckende fünf ungenutzte Jahre her. Und seitdem hat sich die Anzahl der getöteten Radfahrenden um 60 % erhöht. Alles wartet nun auf Vorschriften der EU: Aber warum eigentlich? Private (Speditionen) wie öffentliche (Kommunen, Behörden, Bundesländer) könn(t)en doch auch freiwillig den Abbiegeassistenten beim Lkw-Kauf gleich mitordern. Das Bundesland Hamburg macht es schon bei allen Lkw bereits ab 3,5(!) to, die Region Hannover macht es, die Müllabfuhr aha, und viele, viele Speditionen machen es auch schon, alle völlig freiwillig ... Das Bundesland Niedersachsen (Verkehrsminister: Bernd Althusmann/CDU) kann sich bisher nicht entscheiden, den Abbiegeassistenten bei den Lkw der Landesbetriebe einzufühen, obwohl der ADFC bereits mit vielen Abgeordneten von SPD und CDU darüber gesprochen hat bzw. Vorführungen gestartet hat. Verpasst Niedersachsen nun den Sprung auf den anrollenden Zug, wo ganz viele FREIWILLIG die Bürgerinnen und Bürger selber durch Kauf des Abbiegeassistenten für ihre Lkw besser schützen. Niedersachsen ist (Stand heute) nicht dabei: SO sieht der Schutz von Bürgerinnen und Bürger zu schwach aus. Will Niedersachsen seine Radfahrenden nicht schützen? Wahrscheinlich braucht es noch ein paar durch rechtsabbiegende Lkw-Fahrer getötete Persone, nmöglichst Kinder, bevor DANN etwas getan wird. Zu spät für diese bis dahin Getöteten.

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