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Lieber Herr Brockmann, obwohl ich im WDR2-Empfangsbereich wohne und mich einigermaßen für die Belange des Radverkehrs interessiere, habe ich die Sendung leider verpasst. Vielleicht ist ja ihr Artikel unter dem Eindruck der Sendung entstanden, was einige Dinge erklären würde, die mich extrem stören. Prinzipiell finde ich die Ergänzung um eine Verhaltensfragen-Debatte absolut richtig. Leider ist ihr Beitrag derartig polemisch geraten, dass mir fast schlecht wird. Aber der Reihe nach. Um das Folgende richtig einordnen zu können kurz zu meiner Person: Ich bin Ende 20, pendle täglich mit dem Fahrrad zur Arbeit und bin ansonsten hauptsächlich mit dem Auto unterwegs. Mein persönlicher Standpunkt ist der, dass für Radfahrer die gleichen Rechte und Pflichten gelten wie für alle anderen Verkehrsteilnehmer auch. Genauso selbstverständlich ist, dass ich mich in jeder Rolle (Auto, Fahrrad, zu Fuß) an die Regeln halte. Schon gleich in Ihrem ersten Satz erklären Sie, was das Hauptproblem ist, gehen dann aber in keiner Weise darauf ein: "Radfahrer sind ja schon längst keine Minderheit mehr, die sich nicht Gehör verschaffen kann." Das kann man nun entweder so verstehen, dass die Radfahrer keine Minderheit mehr sind und sich DESHALB Gehör verschaffen können, oder dass sie sich OBWOHL sie eine Minderheit sind, Gehör verschaffen können. In beiden Fällen steht die mangelhafte Radinfrastruktur, insbesondere in NRW als Beweis, dass dies nicht der Fall ist. Auch der für mich nicht überprüfbaren Umstand aus ihrem zweiten Satz scheint das nicht zu ändern/ändern zu können. Im zweiten Absatz ist der Hinweis auf "mal wieder eine der typischen Aktivisten-Argumentationen" eine absolute Frechheit. Zum Glück bringen Sie hinterher noch sachliche und richtige Argumente. Der dritte Absatz ist das genaue Gegenteil. Erst sachliche und richtige Darstellung, dann nur noch Polemik! Ja, Grünpfeilschilder erhöhen nicht die Verkehrssicherheit. Aber anstatt sich nun an die eigene Nase zu fassen (wir waren bei Verhaltensfragen: warum wird so eine Regelung für den KFZ Verkehr einfach ausprobiert, und bei der Einführung für den Radverkehr werden plötzlich die Belange schwächerer Verkehrsteilnehmer berücksichtigt?) wird auf Radfahrern rumgehackt. Und das auch noch völlig unsachlich! Dass sie den Redebeitrag eines Vaters wiedergeben - in Ordnung, aber an der Stelle mit dem von Fahrrädern zugeparkten Gehweg die Parallele zum von PKW zugeparkten Radweg zu ziehen, und damit auch Autofahrer in die Pflicht für Verhaltensänderungen zu nehmen wäre absolut nötig gewesen. Zusätzlich zur Zebrastreifen-Problematik für Fußgänger gehört natürlich der Verweis auf Überholabstände für Radfahrer in diesen Absatz. Im Gegensatz dazu gehören Sätze wie "Habe ich noch nie erlebt, dass Radfahrer für Fußgänger halten." nicht in einen Artikel einer Person Ihrer Position (So wie sich der Verkehrsminister für Gesetzesentwürfe nicht auf "persönliche Erfahrung" berufen sollte!). Im letzten Satz des Abschnitts würde ich sogar nicht nur das Verhalten BEIM Befahren des Gehwegs sondern überhaupt das Befahren selbst kritisieren - aber geschenkt. Dass es Zeit ist Klartext zu sprechen finden auch viele andere. Dass Sie aber den KFZ Verkehr völlig ausblenden und versuchen, Rad- und Fußverkehr davon unabhängig zu behandeln trägt dazu nicht bei. Dass Sie dann den Radfahrern eine "Aneignung des gesamten Verkehrsraums" vorwerfen kann ich nur als schlechten Witz verstehen. Tatsächlich ist der deutsche Verkehrsraum (größtenteils) so konzipiert, dass sich der motorisierte Verkehr möglichst den gesamten Verkehrsraum aneignen SOLL, und zwar zu Lasten der von Ihnen genannten Gruppen PLUS Radfahrer. Abschließend muss ich sagen, dass Sie die Hoffnung, die ich nach der Überschrift in diesen Beitrag gesetzt hatte mehr als enttäuscht haben. Und das obwohl ich in den Grundaussagen mit Ihnen überein stimme (keine Abbiegeerlaubnis oder Änderung der Rotlichtbedeutung für Radfahrer und Ergänzung der Diskussion durch eine Debatte über Verhaltensfragen). Ich hoffe sehr, dass Sie sich Ihrer Verantwortung bewusst sind und in Zukunft sachlichere und weniger diffamierende Beiträge verfassen werden.