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Hochautomatisiertes Fahren im Mischverkehr auf der Autobahn

Momentan bewegen sich teilautomatisierte Fahrzeuge (SAE Level 2; SAE, 2018) zusammen mit nicht-automa­tisierten Fahrzeugen (SAE Level 0) und assistierten Fahrzeugen (SAE Level 1) im Straßenverkehr. Ab dem Automa­tisierungslevel 3 (hochautomatisiertes Fahren) gibt der menschliche Fahrer die Fahraufgabe temporär an das Fahrzeug ab. Wenn diese Fahrzeuge in den nächsten Jahren in den Verkehr kommen, bewegen sich neben menschlichen Fahrern auch hochautomatisierte Fahrzeuge im Straßenverkehr, wodurch ein Mischverkehr entsteht.

Aktuell fehlt Autofahrern in Deutschland noch jede Erfahrung im Umgang mit hochautomatisierten Fahr­zeugen im Straßenverkehr. Bei den ersten Begegnungen werden damit ganz unterschiedliche Erwartungen an das Verhalten hochautomatisierter Fahrzeuge zu finden sein, die in hohem Maße durch unterschiedlich ausge­prägte Kenntnisstände, Erfahrungen im Umgang mit technischen Systemen sowie Vertrauen in Automation geprägt sind

Deshalb hat der Lehrstuhl für Ingenieur- und Verkehrspsychologie der Technischen Universität Braunschweig im Auftrag der Unfallforschung der Versicherer untersucht, wie dieses ungewohnte Verhalten in typischen Interaktionssituationen von menschlichen Fahrern erlebt wird. Außerdem wurden auch längerfristige Verhaltensänderungen analysiert.

Es zeigt sich u.a., dass das Fahrverhalten der hochautomatisierten Fahr­zeuge innerhalb der Bandbreite menschlichen Fahrverhaltens liegt. Das ungewohnt defensive und regeltreue Verhalten der hochautomatisierten Fahrzeuge führt in ein­zelnen Situationen, insbesondere bei der Folgefahrt innerhalb von Geschwindigkeitsbegrenzungen zu sehr kleinen, sicherheitsrelevanten Sekundenab­ständen. Eine Kennzeichnung hochautomatisierter Fahr­zeuge wäre vor diesem Hintergrund zu empfehlen, um es menschlichen Fahren zu ermöglichen, dieses Verhalten zu antizipieren und damit das dichte Auf­fahren zu vermeiden.