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Parkassistenten und Einparkhilfen

Parkassistenten bzw. Einparkhilfen sollen sowohl zur Erhöhung der aktiven Sicherheit beitragen als auch den Komfort beim Ein- und Ausparken verbessern. Sie sollen den Fahrer unterstützen, indem sie seine Wahrnehmung erweitern oder Teile des Parkvorgangs übernehmen. Dabei reicht das Angebot an Parkhilfen von rein informierenden Systemen (Parkpiepser, Kamera) bis hin zu vollautomatischen Einparkhilfen. In einem Forschungsprojekt wurden gut bewertete Parkassistenten untersucht, um so eine stabilere Aussage zur Wirksamkeit zu bekommen. Dazu wurden Fahrversuche mit 60 Probanden durchgeführt.

Folgende Parkassistenten wurden dabei verwendet:

  • Akustikanzeige vorne/hinten, mit symbolischer Rundumsicht 

  • Parklenkassistent (halbautomatisch) mit zusätzlichem Kamerabild 

  • Vollautomatisches Einparksystem mit zusätzlichem Kamerabild

Der Vergleich mit/ohne Assistenz zeigt, dass Parkassistenten die Anzahl von Kollisionen generell reduzieren können. Beim rückwärts Einparken traten die wenigsten Kollisionen auf. Daraus ist jedoch nicht abzuleiten, dass Parkassistenten im Heck immer genügend Assistenz bieten.

Das Gegenteil ist der Fall. Da speziell beim Ausparken rückwärts viele Kollisionen mit einem plötzlich auftauchenden Hindernis auftraten, muss hier mit technischen Mitteln für mehr Sicherheit gesorgt werden. Das bedeutet: Eine Rückraumüberwachung mit Eingriff beim Ausparken stellt eine zentrale Funktion zur Erhöhung der Sicherheit dar und sollte bei Parkassistenten integriert sein.

Kameras können hilfreich sein beim Einparken in engen Parklücken. Eine gewisse Kompensation für schlechte Übersichtlichkeit durch Kameras kann mit der Funktion „Top View“ erreicht werden. Dies zeigte sich sowohl bei den subjektiven Bewertungen als auch den objektiven Messwerten. „Top View“ ermöglicht eine Rundumsicht und lässt die Abstände zu Hindernissen leichter erkennen. Die dargebotene Information ist insgesamt einfacher zu verstehen als Kamerabilder mit verschiedenfarbigen Linien.

Hinsichtlich des Automatisierungsgrads kann festgestellt werden, dass nur mit dem System mit automatischer Längs- und Querführung (vollautomatisch) alle Probanden in der Lage waren, kollisionsfrei einzuparken. Bei diesen Parkassistenten wird das Bremsen und Beschleunigen sowie das Lenken vom System übernommen. Die Probleme beim Ausparken bleiben jedoch. Die Kombination aus Längsführung durch den Fahrer und Querführung durch das System (halbautomatisch) stellt keine optimale Lösung dar.

Die Kollisionen beim halbautomatischen System machen noch ein weiteres Problem offensichtlich und zwar die abstandsabhängige Auslösung der Warnung. Die Ultraschallsensoren messen den Abstand zu Hindernissen und warnen, wenn dieser zu gering wird. Bei langsamen Parkmanövern und voll aufmerksamen Fahrern ist diese Warnstrategie ausreichend. Im Versuch fuhren die Personen mit dem halbautomatischen System (aufgrund des hohen Systemvertrauens und der schnellen, automatischen Lenkbewegungen) jedoch relativ schnell in die Längsparklücke, so dass für einige die abstandsabhängige Warnung zu spät kam.

Eine Warnstrategie, die nicht nur den Abstand, sondern auch die gefahrene Geschwindigkeit berücksichtigt, würde bei höheren Geschwindigkeiten früher eingreifen und könnte Schwächen existierender Parkassistenten beheben.