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Auswirkungen von Tagfahrlicht auf die Verkehrssicherheit

Gemäß der Richtlinie 2008/89/EG dürfen ab dem 7. Februar 2011 europaweit neue Fahrzeugmodelle nur noch dann zugelassen werden, wenn sie mit einem sogenannten Tagfahrlicht ausgerüstet sind (ECE-R 48 und 87). Die Sicherheitseffekte durch Tagfahrlicht wurden und werden in Fachkreisen kontrovers diskutiert. Zum Teil werden aus Studien deutlich positive Effekte auf die Verkehrssicherheit abgeleitet, zum anderen wird eine Gefahr für ungeschützte Verkehrsteilnehmer – vor allem Motorradfahrer – abgeleitet.

Aus diesem Grund hat die Unfallforschung der Versicherer (UDV) in Berlin in einem zweieinhalbjährigen Projekt gemeinsam mit dem Fachgebiet Lichttechnik der Technischen Universität Berlin und dem Forschungsinstitut Human-Factors-Consult untersucht, welche Auswirkungen das Fah­ren mit Licht am Tage auf die Sicherheit im Straßenverkehr, vor allem für schwächere Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger und Radfahrer sowie Motorradfahrer, hat.

Die im Rahmen dieses Forschungsprojektes durchgeführten Feldversuche wurden so angelegt, dass sie in Deutschland und Dänemark durchgeführt wurden. Dabei wird der Fokus auf fünf vorab definierte Unfallschwerpunkte gelegt und auf positive wie negative Folgen für mehrspurige Fahrzeuge und insbesondere auch schwächere Verkehrsteilnehmer geprüft. Die Blickbewegung der Probanden ermöglicht Aussagen über den Einfluss von Licht an Pkw auf die Blickzuwendung auf Verkehrsteilnehmer, ebenso wie ausbleibende oder verkürzte Blicke auf andere Verkehrsteilnehmer, seien das Fahrzeuge ohne Licht, Motorräder, Fußgänger oder Radfahrer.

Im Lichtkanal des Fachgebietes Lichttechnik der TU Berlin wurden den 20 Probanden kurzzeitig (120 ms) eine Verkehrsszene mit einem Auto und jeweils einem weiteren, schwächeren Verkehrsteilnehmer (Fußgänger, Radfahrer, Krad vor Pkw und Krad neben Pkw) dargeboten. Die Versuche erfolgten bei zwei Umgebungshelligkeiten (taghell und Dämmerung). Dabei saßen die Probanden in einer erleuchteten Box, um eine Adaption an Tageslichtverhältnisse sicherzustellen. Gleichzeitig mussten sie zusätzlich zur Objekterkennung eine kontinuierliche Nebenaufgabe (Tracking) bearbeiten, die die Beanspruchung der Versuchsperson durch die primäre Fahraufgabe abbildete.

Im Fahrsimulator durchfuhren 20 Versuchspersonen verschiedene Kreuzungssituationen, die Unfallschwerpunkten entsprachen. Die Versuchspersonen waren im Alter von 19 bis 28 Jahren. Es wurden verschiedene Parameter dokumentiert u.a. die Blickbewegung der Probanden. Der Auswertungen standen über 440 Kreuzungssituationen mehr als 1300 Blickzuwendungen auf Verkehrsteilnehmer und über 670 Blickbewegungsdaten für Verkehrsteilnehmer zur Verfügung.

Eine Erkenntnis des Forschungsprojektes der UDV ist, dass die meisten der bisherigen Studien zum Thema Tagfahrlicht keine verlässlichen Daten liefern. Dies gilt sowohl für die Pro-, als auch für die Contra-Studien und liegt u.a. an der Komplexität des Themas und des damit einhergehenden hohen Versuchsaufwandes, um statistisch signifikante Ergebnisse zu erhalten. Gerade das Übertragen von Erkenntnissen aus anderen Ländern und das Ableiten von prospektiven Sicherheitseffekten auf Deutschland bleibt in den allermeisten Fällen fragwürdig.

Die Studie der UDV konnte keine nennenswerten positiven Effekte auf die Verkehrssi­cherheit durch Tagfahrlicht feststellen. Allerdings konnten nach umfangreichen Versuchsreihen im Lichtkanal, im Fahrsimulator und im realen Straßenverkehr auch keine negativen sicherheits­relevanten Einflüsse auf schwächere Verkehrsteilnehmer festgestellt werden. Weder wird der Blick von Pkw-Fahrern durch Tagfahrlicht „gebunden“, noch wird ein schwacher Verkehrsteilnehmer später oder gar nicht gesehen. Dies gilt auch für Motorradfahrer, die bislang tagsüber schon mit Licht unterwegs sind.