Sie sind hier

Ablenkung durch Textnachrichten

 

Smartphones gehören mittlerweile zum Alltag vieler Menschen, auch im Auto. Das Lesen und Verfassen von Textnachrichten während des Fahrens kann negative Auswirkungen auf die Fahrperformanz haben und das Unfallrisiko erhöhen. In bisherigen Studien wurden die Teilnehmer meist dazu angehalten, zu texten, unabhängig davon, ob sie das im realen Verkehr auch getan hätten. Daher untersuchte die aktuelle Studie der UDV die Ablenkung während des Fahrens unter realitätsnahen Bedingungen.

Zunächst wurden solche Verkehrssituationen identifiziert, die Fahrer für geeignet zum Texten halten. In komplexe Verkehrssituationen bzw. Situationen, die eine erhöhte Aufmerksamkeit der Fahrer erfordern, wird weniger häufig getextet. Das sind z.B. kurvige Streckenabschnitte, schlechte Licht- und Sichtbedingungen, hohe Verkehrsdichte und hohe Geschwindigkeiten sowie die Anwesenheit anderer Verkehrsteilnehmer. Sind diese Merkmale nicht erfüllt, sind die Fahrer durchaus bereit, eine Textnachricht zu schreiben oder zu lesen.

Anschließend wurde im Fahrsimulator eine solche Fahrstrecke gestaltet, die die Fahrer dazu anregen sollte, tatsächlich während der Fahrt zu Texten. Als potenziell kritische Situationen wurden in die Fahrsimulation integriert: a) eine schlecht einsehbare Baustelle und b) ein Kind, das auf die Fahrbahn läuft, jeweils mit und ohne Vorwarnung. Zusätzlich wurde eine relevante, aber unkritische Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h präsentiert. Die Teilnehmer erhielten die Anweisung, so „natürlich“ wie möglich zu fahren und sich dabei an die Verkehrsregeln zu halten. Insgesamt fuhren 82 Teilnehmer die Fahrstrecke, entweder mit verschiedenen Nebenaufgaben (Textnachricht lesen, schreiben, vorlesen lassen oder über Spracheingabe) oder ohne Nebenaufgabe als Kontrollgruppe. 

Im Ergebnis unterschied sich das Fahrverhalten bei der Bearbeitung der meisten Nebenaufgaben (mit Ausnahme des Schreibens von Textnachrichten) nicht wesentlich vom Fahrverhalten ohne Nebenaufgabe. Damit widersprechen die Ergebnisse zumindest in Teilen etablierten Erkenntnissen zu den Folgen von Fahrerablenkung. Möglicherweise war die Fahrstrecke so wenig beanspruchend, dass auch die Fahrer ohne Nebenaufgabe unterfordert und unaufmerksam waren. Sowohl zu geringe als auch zu hohe Beanspruchung ist mit Leistungseinbußen verbunden.

Fazit

Dass das Texten beim Fahren keine negativen Konsequenzen nach sich zieht, entspricht durchaus der Wahrnehmung der meisten Fahrer im realen Straßenverkehr. Dadurch lernen sie, dass das Texten möglicherweise nicht so gefährlich ist bzw. das höhere Risiko von ihnen selbst kontrolliert werden kann. In der Folge texten die Fahrer aus Gewohnheit, auch in anspruchsvolleren Verkehrssituationen. Diese Kontrollillusion aufzubrechen oder gar nicht erst entstehen zu lassen, ist eine große Herausforderungen für die Verkehrssicherheitskommunikation.