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Rückmeldefahrt für Senioren

In einer Studie der UDV wurde eine Rückmeldefahrt für Senioren entwickelt und wissenschaftlich evaluiert. Sie besteht aus einer einmaligen begleiteten Fahrt im Realverkehr mit anschließender qualifizierter Rückmeldung durch einen Experten basierend auf der Nutzung eines standardisierten Beobachtungs- und Bewertungstools für Senioren.

Im Projekt wurde das elektronische Beobachtungs- und Rückmeldetool ERIKA (Elektronisches Rückmelde-Instrument über Kompetenzen Älterer) entwickelt. Mit Hilfe von ERIKA wird das Fahrverhalten der Senioren während einer Fahrt im Realverkehr systematisch beobachtet und bewertet. Im Anschluss an die Fahrt erfolgt auf Basis der gemachten Beobachtungen eine individuelle Rückmeldung, welche Stärken und Schwächen im Fahrverhalten aufzeigt. Sie soll ältere Autofahrer zur kritischen Selbstreflexion und gegebenenfalls zur Änderung ihres Fahrverhaltens anregen. Die Nutzung des Tools sorgt für ein hohes Maß an Standardisierung und Transparenz und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass auch negative Rückmeldungen akzeptiert werden.

An der Studie nahmen 135 Fahrer im Alter von 70 bis 91 Jahre teil. Sie wurden je einer von drei Versuchsgruppen (zwei Experimental- und eine Kontrollgruppe) zugeteilt. Jede Gruppe absolvierte dieselbe Fahrstrecke zwei Mal im Abstand von drei Monaten. Die Fahrer wurden bei beiden Fahrten von einer Verkehrspsychologin und einem amtlich anerkannten Sachverständigen/Prüfer begleitet. Diese registrierten besonders umsichtiges, sozial toleriertes und fehlerhaftes Fahrverhalten. Eine Experimentalgruppe erhielt eine Rückmeldung im Anschluss an die erste Fahrt. Die zweite Experimentalgruppe erhielt zusätzlich Feedback während der Fahrt und die Kontrollgruppe erhielt keine Rückmeldung nach der ersten Fahrt.

Im Ergebnis zeigte sich, dass während der zweiten Fahrt bei den Fahrern der Experimentalgruppen signifikant weniger Fahrfehler beobachtet wurden als während der ersten Fahrt. Dies war bei den Fahrern der Kontrollgruppe, welche keine Rückmeldung erhalten hatten, nicht der Fall. Die Zufriedenheit mit der Rückmeldefahrt war im Allgemeinen hoch. Beinah alle Teilnehmer würden sie anderen Autofahrern ihrer Altersgruppe weiterempfehlen.

Eine Rückmeldefahrt ist als niederschwelliges Angebot zum Erhalt und zur Verbesserung der Fahrkompetenz im Alter geeignet. Wichtig ist, dass die Rückmeldefahrt nicht im Sinne einer weiteren Fahrprüfung fehlinterpretiert wird, sondern darauf abzielt, den älteren Autofahrern auf Augenhöhe eine Möglichkeit zum Erhalt einer sicheren Pkw-Mobilität aufzuzeigen.

Ausführlichere Informationen zum elektronischen Rückmeldeinstrument ERIKA sowie zur wissenschaftlichen Entwicklung und Evaluation der Rückmeldefahrt finden sich in den nebenstehenden Forschungsberichten.